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GPS – und dann?

Christian Mehler: GPS, Geocaching und Smartphones

Das Booklet ist das Ergebnis dessen, dass 15000 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit sich ein Jahr mit dem Thema „GPS – und dann?“ beschäftigten. Das Buch zielt klar auf den Einsatz in der Kinder- und Jugendarbeit und dabe geht es weniger um Theorie als vielmehr um die Praxis hierzu. Folglich werden „Alleincacher“ mit anderen Büchern glücklicher.

Der Abschnitt „Einführung GPS“ enthält Hinweise zum Wortschatz, Erklärungen zu GPS und Geocaching und allgemeine Regeln. Darüber hinaus erfährt man, welche Cache- bzw. Rätsel- und Aufgabenarten es gibt, die einem bei Caches begegnen oder man selbst einsetzen kann, wenn man einen Cache legt. Im Abschnitt „Geocaching für und mit Jugendgruppen“ lernt man, welche Regeln für das Cachen mit Gruppen gelten und was man bei der Gestaltung eigener Caches berücksichtigen sollte. Darüber hinaus findet man Checklisten und Anleitungen für Spiele zum Verstehen von GPS. Dabei gibt es jeweils Informationen zur Anzahl der Teilnehmer und Materialien, was und wie man die Spiele vorbereitet und wie es dann funktioniert bzw. was zu tun ist. Dieser Teil nimmt 12 Seiten des Buches ein, was bei einer Gesamtzahl von ca. 40 Seiten der Großteil ist. Die Spiele eignen sich für Kinder ab 8 Jahren.

Praktisch sind die Quick Jumps, Codes bei jedem Artikel, die auf die Website der Community für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit verweisen, wo man dann Fragen stellen oder Anmerkungen hinterlassen kann. Die Schrift ist sehr klein und der Stil ist eher nüchtern, was bei einer Anleitung aber nichtg verwundert.

Books on Demand

40 S.

5,90 € (eBook 4,49)

978-3732280155  

Vergessene Orte in Dresden - Christine Gruler/Arno Specht - Geisterstätten Dresden – Vergessene Orte

Wie auch schon in seinem Band über Berlin stellen die Specht und Gruler 14 vergessene Orte in Dresden und Umgebung vor. Auch hier geht Specht unbeirrt seiner Faszination für die Suche nach Antworten auf die Frage nach, was bleibt, wenn Menschen gehen bzw. gegangen sind. So beschreiben die Autoren eine Zeitreise, die man an vergessenen Orten macht und die doch nur Momentaufnahmen sind, denn schon zwischen Besuch eines Ortes und Erscheinung des Buches präsentiert sich mancher Orte ganz anders.

Betrachtet man die Bilder des Lahmann-Sanatoriums, scheint das Gebäude auf den ersten Blick relativ gut erhalten, doch schon beim Umblättern zeigt sich ein zumindeste teilweise anderes Bild. Wenn man dann noch liest, dass das Gelände 35 Hektar umfasst, ist klar, dass es Begehrlichkeiten weckt. Doch Specht erzählt dem Leser so viel vom Leben dort, dass sich vor dem inneren Auge Bilder formen – die einen wünschen lassen, dass dieser Ort auf alle Zeiten „konserviert“ wird. Auch in der Geschichte des Neuen Jägerhauses in Grillenburg hebt Specht vor allem auf das Leben und Wirken des Eigentümers bzw. dessen Gesellschaft und ihrer Nachfolger ab – das ist schon ein kurioses Stück Geschichte, wohlgemerkt mit „Geschmäckle“ wie man dort, wo man alles kann außer Hochdeutsch, sagen würde … War es Hochmut, der solche Geschichten ermöglichte? Diese Frage stellt man sich bei manchen der Orte, so auch beim Speisehaus der VEB Strömungsmaschinen Pirna. Ohnehin stellt man sich einige Fragen: Was haben die in der „Korrektionsanstalt Saalhausen“ getrieben? Lektorat oder Chiropraxis im großen Stil? Oder war das eine Anstalt, die diese Disziplinen regelt? Die Antwort ist ernüchternt, denn irgendwie ist die Geschichte dieses Ortes düster – offenbar war das Gebäude (und seine Bewohner) immer irgendwie vom Pech verfolgt.

Auch hier staunt man, welch schöne Details in alten Gebäuden verbaut wurden, wie unterschiedlich gut manche Gebäude von innen und außen aussehen und wie sich die Zeitabstände zwischen Verlassen und Verfall doch unterscheiden. Hinzu kommen die Fragen, die Specht sich beim Besuch der Orte stellte – und in Summe wecken diese Fragen dann ein Bild … Insgesamt hebt Specht stark auf das ab, was die Gebäude und ihre Bewohner erlebt haben – was einen ganz anderen Zugang zu diesen Orten bildet als Bildbände. Die Texte, eine schöne Mischung aus Bericht, Begeisterung fürs Thema und auch einem gewissen Schreibtalent, lesen sich flüssig. Wer sich für das Thema interessiert und nicht gleich Bild- und Textband kaufen will, sollte sich überlegen, ob er eher Bilder oder eher Geschichten haben will …

Jaron

96 Seiten

12,95 €

978-3897739277  

Vater-Sohn-Geschichte der etwas anderen Art - Manuel Hilmer- Abwege

Was passiert?

Der Prolog beginnt mit den Gedanken eines wohl gerade Sterbenden namens Ivo, der das Leben eines anderen an sich vorbeiziehen sieht. Mit der Schilderung von dessen Leben beginnt dann die eigentliche Geschichte: Es geht um Frank, dessen Frau Barbara ihn in einen Multicache reinquatscht, noch dazu mit seinem Sohn und in den Chiemgauer Alpen – Achtung Ironie: ganz nach Franks Geschmack ... Doch schon als die beiden auf dem Weg zur ersten Hütte den ersten Cache finden, wird Franks Interesse geweckt. Denn im Cache liest er einen Hinweis und sieht darin einen Zusammenhang zu einer mysteriösen SMS, die er bekommen hat. Damit es nicht zu fad wird, wechselt der Autor ab und an mal die Persepktive, so dass man aus Ivos Frank-Perspektive erfährt, was es mit der SMS auf sich haben könnte. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass der Cache extra für Frank gelegt wurde: Doch wer war das und welches Ziel verfolgt der Cacheleger?

Ich habe mich beim Lesen immer gefragt, warum Ivo Franks Leben sieht und nicht seins und worin der Zusammenhang zwischen den beiden besteht. Doch das ist Thema der einen oder anderen Wendung, die das Buch bereithält.

Wenngleich der Stil recht eigenwillig ist (das dürfte an der „Adjektivierung“ jedes Eigennamens liegen, was im Bairischen wohl üblich ist), war es erfrischend, mal keinen typischen „in einer Cacheserie finden sich Körperteile“-Krimi zu lesen. Und wem das Buch gefällt, für den hält der Autor ein Schmankerl bereit, nämlich den real existierenden Cache zum Buch.

CreateSpace Independent Publishing Platform

312 S.

7,99 €

978-1517243456  

 

Auch als eBook für 2,99€ erhältlich (ASIN B01535KPFG)

Mittendrin und doch verloren - Arno Specht - Geisterstätten Berlin – Vergessene Orte

Angefangen hatte alles mit einem Experiment: Arno Specht fragte sich, ob sich jemand für die vergessenen Orte Berlins interessiert. Und das Experiment gelang – so dass es nun eine Neuauflage gibt. Spechts Spurensuche begann damit, dass sein Sohn über die Beelitzer Heilstätten stolperte: die Faszination für vergessene Orte war geboren. Im Vorwort reißt der Autor kurz an, dass die Wende vielen der porträtierten Orte „das Genick brach“ und die Schönheit des Verfalls vergänglich ist – nicht zuletzt, weil einige der Gelände Filetgrundstücke in Städten belegen, die ohnehin mit Platznot kämpfen.

In Summe werden in dem Buch 14 vergessene Ort in Berlin und Umgebung vorgestellt. Den Beginn machen die Beelitzer Heilstätten, mit denen ja auch beim Autor alles begann. Hier erfährt man ausgesprochen viel über Geschichte und Architektur – und der Titel, den Specht für seinen Bericht über die Heilstätten wählt, sagt schon so einiges: Ein Zauberberg für das Proletariat vom Wedding und aus Moabit. Das ist mal eine eher literarische Näherung an das Thema, die in Kombination mit den Fotos die Atmosphäre dort deutlich macht. Bei Specht wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie kurz die Blütezeit von Beelitz tatsächlich war – obwohl ich die Daten sicher auch schon aus anderen Quellen kannte. Ein Beispiel, das verdeutlicht, wie kurz wiederum die Zeit zwischen Nutzung und Verfall eines Geländes oder Gebäudes bemessen sein kann, ist das Freizeitbad Blub (man beachte die originelle Namensgebung), das zwar erst 2005 geschlossen wurde, doch bis auf den Geruch von Chlor kaum noch an ein Badeparadies zu erinnern vermag. Den Abschnitt über den Teufelsberg sollte man lieber selbst lesen, da er dank diverser Abhörskandale eine Art traurige Aktualität hat … Mit einer an sich vollkommen sachlichen Schilderung über die Bärenquell-Brauerei und die Akten im dortigen Betriebsratsbüro gelingt es dem Autor, ein doch sehr eindrückliches Bild zu vermitteln. Ähnlich gut, wenn nicht besser gelingt die Schilderung eines echten „Endzeit-Ortes“: welcher gemeint ist und wer wissen will, wieso die Geschichte so gelungen ist, sollte lesen, welche Beziehung der Autor zu diesem Ort hat. Deutlich wird hier auch die Widersprüchlichkeit verfallen(d)er Orte, die sogar zu einem regelrechten „Inbegriff des Todes“ geraten können und andererseits mühelos als Filmkulisse herhalten …

Beim Lesen der Geschichten der Orte schwankt man zwischen Staunen, blankem Grauen und Schmunzeln über ein geradezu ulkig anmutendes Kuriositätenkabinett. Hierzu leistet Specht einen großen Beitrag, denn er schafft es bei den meisten vergessenen Orten zumindest Teile ihres ehemaligen Daseins vor dem inneren Auge des Lesers erstehen zu lassen. Dies liegt sicher daran, dass er sich recht gut auskennt bzw. gründlich recherchiert hat.

Da die Bücher mehr Texte und eher kleine und wenig großformatige Bilder enthalten, können die Fotos relativ wenig Wirkung entfalten im Vergleich zu Bildbänden über Lost Places. Dennoch gelingt es, teils noch gut erhaltene und hübsche Details zu zeigen und gleichzeitig zu verdeutlichen, dasss Zerfall und Zerstörung unaufhaltsam voranschreiten.

Jaron

96 Seiten

12,95 €

978-3897737549  

El Dorado für Lost-Place-Ästhetiker

Maix Mayer: Die vergessenen Orte der Arbeit

Leer stehende und vergessene Fabriken oder sonstige Orte der Arbeit gibt es vorwiegend in der ehemaligen DDR und bevorzugt an Stadträndern? Weit gefehlt, man durchsuche mal das Internet nach einem Autohaus mitten in Passau, das vor nicht allzu langer Zeit gewissermaßen aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wurde. Mit diesem Wissen sollte man sich dann an die Lektüre von Lost-Place-Büchern machen ...

Das Buch stellt leer stehende Fabriken vor, die einen großen, wenn nicht den größten Teil des Lebens der DDR-Industriearbeiter einnahmen. Dabei sollen die großformatigen Querformatfotos von den Hoffnungen, dem Frust, Bemühen und Leben jener Zeit erzählen – und das gelingt auch.

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