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El Dorado für Lost-Place-Ästhetiker

Maix Mayer: Die vergessenen Orte der Arbeit

Leer stehende und vergessene Fabriken oder sonstige Orte der Arbeit gibt es vorwiegend in der ehemaligen DDR und bevorzugt an Stadträndern? Weit gefehlt, man durchsuche mal das Internet nach einem Autohaus mitten in Passau, das vor nicht allzu langer Zeit gewissermaßen aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wurde. Mit diesem Wissen sollte man sich dann an die Lektüre von Lost-Place-Büchern machen ...

Das Buch stellt leer stehende Fabriken vor, die einen großen, wenn nicht den größten Teil des Lebens der DDR-Industriearbeiter einnahmen. Dabei sollen die großformatigen Querformatfotos von den Hoffnungen, dem Frust, Bemühen und Leben jener Zeit erzählen – und das gelingt auch.

In Summe kann man nach Lektüre bzw. Durchsicht dieses Buches festhalten, dass Industriegebäude auf dem Gebiet der ehemaligen DDR entweder schon im 2. Weltkrieg „ihr Fett abbekommen“ haben, als Reparationszahlung teilweise nach Osten verfrachtet wurden oder (wieder) aufgebaut und durch die Teilung Deutschlands in Ost und West wuchsen. Da die Industrie die DDR sehr prägte, zugleich aber auch ineffizient war, war sie nach der Wiedervereinigung und als Teil der globalisierten Welt zum Untergang fast zwangsweise verdammt. Die hier vorgestellten 10 und andere derartige Orte haben gemein, dass sie an einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Entwicklung stehenblieben und nun eigentlich nur andere „Geschichten“ erzählen, denen selten jemand „zuhört“.

Das Buch ist als Ergänzung bzw. Kern und Ausgangspunkt zu einer Fernsehreihe zu Orten der Arbeit und den zugehörigen Menschen gedacht. Vorgestellt werden mit bunten Fotos und je einer Seite Text auf ca. 10 bis 20 Seiten Fotos u. a. die VEB SchwermaschinenbauVerlade- und Transportanlagen Leipzig, das Reichsbahnausbesserungswerk Salbke und die VEB Polygraph Reprotechnik Leipzig. Die Polygraph kann an sich ja sogar als Erfolgsgeschichte verstanden werden – nur eben nicht für die ehemaligen Betriebsstätten – und so ähnlich erging es auch der ebenfalls porträtierten Zetti Schokolade: die Firma als solche ist erfolgreich, aber das Gelände, auf dem eine „Innovationsfabrik“ entstehen sollte, liegt brach.

Wer sich für neuere Geschichte und/oder Fotografie interessiert, sollte mal einen Blick wagen ...

Mitteldeutscher Verlag, 160 Seiten, 24,95 €, ISBN 978-3954620234