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Tourismusförderung via Geocaching?

Margot Laufer

Geocaching als touristischer Standortfaktor: Eine empirische Untersuchung in der Region Schwarzwald

Wie in einem wissenschaftlichen Buch üblich, beginnt es mit der Analyse der Problemstellung. Hierzu wird die Ausgangslage, also der im Wandel befindliche touristische Markt in Deutschland untersucht. Da mehr Kurzurlaube und Aktivangebote gefragt sind, von denen eines Geocaching ist, geht das Buch der Fragestellung nach, ob man für eine Region Urlauber über Geocaching „anlocken“ kann. Konkreter geht es darum, ob Geocaching die Urlaubsregion Schwarzwald beeinflusst und welche Erkenntnisse diese aus einem positiven Umgang mit Geocaching gewinnen kann. Die These, dass Geocaching einer sich am Markt orientierenden Tourismusregion helfen kann, wird über eine Befragung von Cachern geprüft und um weitere wissenschaftliche Erkenntnisse ausgeweitet.

In einem Abschnitt werden die theoretischen Grundlagen des Tourismus als einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in Deutschland vorgestellt und definiert, was Tourismus bzw. Touristen sind. Ein weiterer Abschnitt führt in die Geocaching-Begrifflichkeit ein und erläutert, wie das Geocachen sich entwickelt hat. Die Funktionsweise der Satellitennavigation wird nur knapp erläutert, da dies für den Tourismus uninteressant sei. Die Ziele und die hauptsächlichen Ausprägungen des Cachens werden erklärt, worunter sich jedoch teilweise überholte Informationen finden, denn unabhängig davon, ob opencaching je „die deutsche Variante der Deutschen Wanderjugend“ (in Gedanken zu ergänzen: des Geocachens) war: das ist schon eine Weile nicht mehr der Fall. Ähnliches gilt für die Belastbarkeit der Zahlen, die in einem Buch aus dem Jahr 2013 teilweise aus dem Jahr 2010 stammen – gerade bei einem „Trendsport“ (und somit erwartbar schnell sich verändernden Zahlen) ist dieser zeitlich Abstand doch recht groß.

In einem weiteren Kapitel werden die Fakten für die empirische Erhebung dargestellt: Da wären zum einen Sekundärdaten des Reisemarktes (z. B. Wie oft verreist welche Bevölkerungsgruppe wie lange wohin? Wofür gibt ein Tourist sein Geld aus und aus welcher Motivation?). Manches hier wirkt widersprüchlich, so z. B. der Umstand, dass von „verringerter Arbeitsintensität“ die Rede ist, wo von vielen Arbeitnehmern erwartet wird, dass sie beispielsweise per Smartphone auch während des Urlaubs verfügbar sind (was für das Cachen aber auch sein Gutes haben kann). Andererseits stimmt es schon, dass viele heutzutage eine Individualisierung und Erlebnisorientierung anstreben. Einige der Überlegungen stammen auch aus der von der Autorin verwendeten Sekundärliteratur und unabhängig davon, ob ich der Analyse der Motivation eines Touristen, Dinge zu tun oder zu lassen, zustimme, kann das Ergebnis dennoch das Richtige sein …

Das wesentliche Kapitel dürfte die empirische Erhebung bilden. Auch hier mag das eine oder andere Kriterium für die Auswahl zur Befragung ein Nasekräuseln verursachen. Denn eins der Kriterien für die Auswahl ist, dass der Geocacher mindestens 50 km vom Nordschwarzwald wohnen muss: dass man wegen 50 km Distanz schon übernachtet, darf als fraglich gelten, zumal Cacher für einen genialen Cache auch mal größere Distanzen überwinden. Weiter soll den Ergebnissen nicht vorgegriffen werden, nur noch so viel: die Autorin trifft Aussagen über Erkenntnisse zum Umsatzvolumen einer Urlaubsregion in Verbindung mit Geocaching. Untermauert werden diese von Praxisbeispielen für Einsatzmöglichkeiten von Geocaching im Tourismus.

Für Tourismusverbände enthält das Buch sicherlich die eine oder andere Anregung – allerdings sollten diese sich für potentiell zu fällende Entscheidungen zusätzlich neuere Daten besorgen.

Diplomica Fachverlag, 148 Seiten, 44,99 Euro, ISBN 978-3842891869