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Zeitzeugen

Marc Mielzarjewicz: Lost Places Magdeburg: Spuren der Zeit

Ein weiteres Mal hat sich der Fotograf Marc Mielzarjewicz auf die Spuren der Vergangenheit gemacht. Mit seinem Buch bzw. den Fotos will er das Interesse an Baudenkmälern, die umgebaut werden, noch auf Investoren warten oder bereits dem „Untergang“ geweiht sind, wecken. Dieses Mal war er in Magdeburg unterwegs und hat seine Eindrücke festgehalten.

Auch in diesem Band (wie schon bei den Beelitzer Heilstätten) findet sich der Text in Deutsch und Englisch und auch hier sind ausschließlich Schwarz-Weiß-Fotos abgedruckt. Im Vorsatz findet man einen Stadtplan mit der Lage der einzelnen Lost Places.

Der Stadtrundgang der etwas anderen Art beginnt Mielzarjewicz bei der Diamant-Brauerei. Es geht weiter beim Schwermaschinenbau „Georgi Dimitroff“, der erst in den 1990er Jahren in Liquidation gegangen. Hat man erstmal das eine oder andere Buch über Lost Places, insbesondere in der ehemaligen DDR gelesen, stellt man fest, dass die Wende ein „neuralgischer Punkt“ für viele der Gebäunde war, der sie erst zu Lost Places machte. Die nächste Station ist ein Messgerätewerk, von dem die Teile, die noch stehen, zu Lofts umgebaut werden und damit nicht mehr „lost“ sind. Es folgen eine Heeresversuchsanstalt für den Test und die Entwicklung verschiedener Waffen(gattungen) und die Konsummühle. Beim Langen Heinrich, eins der Wahrzeichen Magdeburgs, sieht man dann, wie aus einem Lost Place ein „no place“ werden kann. Denn dieses Wahrzeichen wurde inzwischen gesprengt. Gerade am Reichsbahn-Ausbesserungswerk, das erst 1998 aufgegeben wurde, sieht man, wie schnell der Zahn der Zeit an Gebäuden, um die sich niemand mehr kümmert, nagt.

Die „Lost Places“ (manche sind ja nur teilweise „lost“, da Teile noch in Gebrauch sind) werden im Buch mit Adresse beschrieben, so dass man diesen Stadtrundgang sogar selbst nachlaufen könnte. Es gibt keine Bildunterschriften, was die eine oder andere Frage aufwirft: Auf einem Bild sind beispielsweise kreisrunde Flächen zu sehen, die für Braukessel jedoch zu klein wirken – was stand da?

Wenn man einzelne Fotos betrachtet, sich dafür Zeit nimmt und seine Fantasie ein wenig spielen lässt, erzählen manche der Fotos ganze Geschichten. Man bleibt von den schönen Fotos und der Geshcichte fasziniert zurück, wie mitten in Städten so große und geschichtsträchtige Gebäude so weit und großteils unbemerkt „vergammeln“ können.

Mitteldeutscher Verlag, 160 Seiten, 19,90 €, ISBN 978-3898128261