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Harz in Schwarz-Weiß

Marc Mielzarjewicz: Lost Places Harz

Dieses Buch ist ein sehr unübliches Werk, insofern als es mit seinen Schwarz-Weiß-Fotos einen Kontrast zur sonst eher bunten Tourismus-getriggerten Darstellung der Region bildet. Ebenfalls „unwerblich“ sind die Texte im besprochenen Buch: sie enthalten lediglich kurze Informationen zu den vorgestellten Bauwerken. Das tut dem Buch aber keinen Abbruch, da die atmospärischen Fotos so mehr Platz haben, ihre Wirkung zu entfalten.

Die Lost Places im Harz, die Marc Mielzarjewicz in seinen Bildern vorstellt, sind mehrheitlich Heilstätten – da wäre er also wieder, der touristische Bezug ... Mit seinem Buch will Mielzarjewicz die Ruinen aus ihrer Versunkenheit herausbefördern und im günstigsten Fall sogar eine eventuelle Wiedernutzung herbeiführen. Vorgestellt werden die Saigerhütte Hettstett, die als Stätte der Kupfergewinnung stark subventioniert wurde, so dass das Aus nach Wende „Programm war“. Außerdem werden u. a. ein FDGB-Erholungsheim und die Eisenhütte Mägdesprung porträtiert. Gerade beim letzten Objekt ist schon faszinierend, wie hastig eine solche Schließung offenbar vorgenommen wird bzw. wie schnell das Interesse an solch einem Objekt bzw. seiner Geschäftstätigkeit in Vergessenheit gerät: Denn die Akten wurden zumindest teilweise einfach dort gelassen. Ferner wird auch die bewegte Geschichte der Johanniter-Heilstätte Sorge erzählt, die sogar eine Art Happy End hat, wenn man die inzwischen herbeigeführte Teilnutzung so verstehen will. Schließlich ist das VEB Kunstseidenwerk „Clara Zetkin“ eine der wenigen Produktionsstätten, die bis 2009 überlebten. Hier würde sich mancher „Wessi“, der den Namen Clara Zetkin im Kontext mit dem nach ihr benannten Park in Leipzig kennt, vielleicht mehr Hintergrund wünschen, denn „im Osten“ ist der Name ein Begriff, aber sollen sich Krabbenpuhler und Äbbelwoidrinker nicht dafür interessieren?!

Ähnlich wie auch bei den anderen Büchern von Marc Mielzarjewicz findet sich im Vorsatz eine Karte zur Verortung der ca. 20 porträtierten Lost Places. Ebenfalls wie sonst gibt es den Text auf Deutsch und auf Englisch.

Einmal mehr bietet diese Reihe dem Leser bzw. Betrachter eine Mischung aus Ästhetik, Eleganz und Beklemmung, Grusel und Schauder, wenn man sieht, wie intakt manches Gebäude von außen wirkt und wie zerrüttet es innen ist. Eine gewissermaßen unfreiwillige Komik entwickelt der Zahn der Zeit ganz am Rande auch noch, denn die alten Gebäude scheinen ihre „Schändungen abwerfen“ zu wollen – wie sonst ist es zu erklären, dass die Graffiti, die man ihnen „angetan“ hat, mit der alten Farbe abblättern …

Mitteldeutscher Verlag, 144 Seiten, 19,90 €, ISBN 978-3954620104