Literatur News

Spenden

 

Marc Mielzarjewicz, "Lost Places Beelitz-Heilstätten"

Lost Places Beelitz-Heilstätten

Einigen Anhängern von Lost Places sind die Heilstätten in Beelitz vermutlich der Inbegriff des Lost Places. Daher soll diese Rezension die erste einer Reihe von Rezensionen zu Büchern über Lost Places sein.

Das Buch enthält Texte in Deutsch und in Englisch und ausschließlich Schwarz-Weiß-Fotos. Im Vorsatz findet man einen Lageplan der Anlage, so dass man eine Vorstellung von der Größe und Komplexität des Gesamtensembles bekommt – selbst wenn man nicht das Glück hat, die Beelitz selbst mal gesehen zu haben.

In den Texten erfährt man etwas über Geschichte, Architektur und Hintergründe (z. B. wieso der Bau überhaupt nötig war). Angesichts der Tatsache, dass die Heilstätten eigentlich noch gar nicht so lange wirklich verlassen sind, ist es faszinierend zu sehen, wie schnell der Zerfall einherschreitet. Das Buch ist nach den verschiedenen Bauteilen eingeteilt: Zunächst wird das Männersanatorium mit seiner Geschichte, Baumaterialien und architektonischen Besonderheiten vorgestellt. Hierbei steht das Kessel- und Maschinenhaus, das „Wahrzeichen von Beelitz“ im Vordergrund – einerseits verwunderlich, dass es auf den Fotos nicht explizit abgebildet ist, andererseits ist das Motiv aber auch „banal“. Als nächster Bauteil wird das Frauensanatorium vorgestellt, dann die Männer- und die Frauenlungenheilstätten. Spätestens beim Foto eines Tisches, der doch sehr nach Seziertisch aussieht, kann man schon Gänsehaut bekommen bzw. nachvollziehen, wieso manche glauben, dass es in Beelitz spukt.

Bei alten Gebäuden staune ich ja immer über die vielen und oft so liebevollen Details … umso erstaunlicher finde ich sie aber gerade bei solchen Funktionsbauten. Daher ist es aus ästhetischer Perspektive sehr gut, dass nur wo es „nötig“ ist, Bildbeschriftungen zu finden sind. Andererseits könnte man sich ein genaueres Bild machen, wie es in Beelitz mal ausgesehen haben könnte, wenn alle Fotos beschriftet wären. An mancher Stelle mag sich mancher mehr Hintergründe wünschen (z. B. wie wurden die Pavillons genutzt, was hat es mit den Gebäuden zwischen den im Buch vorgestellten Trakten auf sich?).

Und doch freut man sich einfach unsäglich an diesem schönen Buch, den schönen Fotos, und den tollen Gebäuden – die trotz allem ihre Eleganz behalten haben.

Mitteldeutscher Verlag, 144 Seiten, 19,90€, ISBN 978-3898126526