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Johannes Groschupf, "Lost Places"

Lost PlacesDie erste Frage, die sich mir bei diesem Buch stellte, war: In welcher Kategorie siedelt man das Buch wohl an? Der erste Assoziationsversuch war: Oetinger-Verlag – Die kleine Hexe … dafür ist das Cover ein bisschen düster.

Also hilft wohl nur die Geschichte und die handelt von fünf Berliner Jugendlichen, die aufgegebene Bauwerke erkunden. Genauer gesagt sind das Kaya, Moe und die Jungs Chris, Steven und Lennart, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Da die Ferien begonnen haben, beginnt alles in einer Berliner Clubnacht. Zunächst geht es dabei erst mal nur um eine Beschreibung der Jugendlichen und der Szene, in der sie sich bewegen. Doch die fünf wären keine Urban Explorers, wenn sie nicht recht schnell einen nächtlichen Ausflug „in die Katakomben der Stadt“ starteten.

Als sie einen Türsteher beobachten, wie er dort etwas versteckt, durchsuchen sie alte Fabrik und stoßen auf eine Leiche. Nicht viel später prallen sie dann auch noch auf die Bandidos und stellen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Begegnungen her. Bei ihren Ausflügen kommt es zur einen oder anderen (unangenehmen) Begegnung in alten Fabriken. Als Lennart sich gegen seine Freunde auflehnt, gerät so einiges aus den Fugen. Doch wirklich eskaliert die Lage erst, als sie sich über eine Warnung vor einem ganz bestimmten Lost Place hinwegsetzen.

So bunt wie die Arten von Cachern und Caches sind, sind es inzwischen auch die Bücher für die entsprechenden Zielgruppen. Hier begegnet dem Leser eine wilde Mischung aus Krimi, Großstadt-Jugendliche auf dem Weg ins Erwachsenenleben, Warnung und Glorifizierung von Lost Places – garniert mit dem einen oder anderen kaputten Charakter.

Die Geschichte ist flott erzählt und kommt zügig in Fahrt. Berliner dürften vom Lokalkolorit begeistert sein, da viele Locations auch in der Realität existieren. Allerdings hat die Geschichte zugunsten zahlreicher Beschreibungen, was junge Erwachsene in der Großstadt so treiben, für bereits „Ausgewachsene“ die eine oder andere Länge. Aus Cachersicht geht es um Lost Places und sonst keine Caches.

Fazit: Das Buch ist in mancherlei Hinsicht das erste seiner Art: Es geht um Jugendliche bzw. junge Erwachsene, ist als „klassisches Jugendbuch“ aber ein bisschen drastisch; es geht um Lost Places und ums Erwachsenwerden 17- bis 18-Jähriger in Berlin. Eigentlich bräuchte das Buch eine Kategorie für sich, da es aber für Kinder zu heavy ist und der Autor sonst für Erwachsene schreibt, ist es in der Romankategorie gelandet. Tja, da bleibt die Erkenntnis, dass Oetinger längst nicht mehr nur für Die kleine Hexe steht.

Oetinger, 250 Seiten, 12,99€, ISBN 978-3-8415-0248-3