Literatur News

Spenden

 

Marco Rota:

Cache Hunters – Die Jagd nach den sieben Siegeln

Marco Rotas „Cache Hunters“ handelt von zwei Jungs, Kabuki und Natu, die Ferien haben und sich endlich voll ihrem Hobby Geocaching zuwenden können. Bei ihrer Jagd nach einen FTF müssen sie nicht nur das Gebiet der feindlichen Geocacherbande der „Drachenflüsterer“ durchqueren, sie stoßen auch auf die sogenannten sieben Siegel. Doch damit sind sie nicht allein, denn auch die Drachenflüsterer wollen deren Geheimnis lüften. Da trifft es sich gar nicht gut, dass Lax, der Anführer der Drachenflüsterer noch ein Hühnchen mit Kabuki zu rupfen hat – zumal er und sein Gefolge wenige Skrupel kennen, so dass eine spannende Jagd beginnt.


Die Motivation für eine Projektwoche mit dem Thema Geocaching ist einfach: Das Spiel erfreut sich bei Jugendlichen einer gewissen Beliebtheit und ist somit super für eine Projektwoche geeignet. Zudem eignet es sich zum Erwerb von fachlichen (speziell geografischen), sozialen und methodischen Kompetenzen. Man findet Arbeitsblätter für die Theorievermittlung und eine CD mit (editierbaren) Word-Arbeitsblättern sowie eine Linkliste.


Der verwendete Geocaching-Slang wird am Ende des Buches in den Begrifserklärungen erläutert. Das Buch ist leicht und für die angedachte Zielgruppe sicher spannend zu lesen. Da das Vorgehen beim Cachen gut erklärt wird, sollten sich auch absolute Neulinge zurechtfinden. Die finden außerdem eine kurze Anleitung, wie man selbst zum Cacher wird.


Oft werden in Kinderbüchern ja noch weitere Themen angerissen, so auch hier: Wie überwindet man Ängste (von ganz realen bei der Aufgabenlösung bis zu manchmal eher persönlichen)? Wie kommt man weiter, wenn offenbar alle Zeichen gegen einen zu stehen scheinen? Es geht um Freundschaft und Familie, die erste Liebe und da der Autor Theologie studiert hat und Jugendpfarrer war, muss man als Leser auch abkönnen, dass christliche Inhalte manchmal mehr als nur mitschwingen. Wem das nicht gefällt, sollte die Finger von dem Buch lassen – ansonsten findet man hier aber ein spannendes Buch für ca. 10- bis 12-jährige Cacher oder solche, die es werden wollen.

SCM R. Brockhaus

192 Seiten

12, 95 €

978-3417287738

Thomas Kemnitz, Robert Conrad, Michael Täger:

Stillgelegt: 100 verlassene Orte in Deutschland und Europa

Die Annäherung an das Thema Lost Places erfolgt über die Bedeutung des Wortes und des Zustands „Stillstand“ - und genau das bildet das Buch auch ab. Da dieser Bildband verlassene Orte in ganz Europa vorstellt, bedarf es einer Einteilung, und die erfolgt hier in fünf Themen, aus denen die von ihren Erbauern und Nutzern verlassenen Orte stammen:


Im Teil „Produzieren“ geht es um Industriebauten und Fabrikarchitektur. Hier findet man Fotos von Elektrizitätswerken über die Battersea Power Station, eine Hutfabrik bis zur Börde-Brauerei. Im Teil „Leben“ werden Rückzugs- und Erholungsorte vom Spreepark über das Olympische Dorf von 1936 bis zu einer ganzen Geisterstadt vorgestellt. Gerade an diesem Beispiel bekommt man mal den ganzen Querschnitt, wie sich Stillstand manifestieren kann – das ist beeindruckend, beängstigend und macht den Reiz für diejenigen, die der Schönheit verlassener Orte noch nicht erlegen sind, vielleicht am ehesten greif- bzw. nachvollziehbar. Der Teil „Bilden“ bzw. Bildung als ein zentrales Thema im menschlichen Leben und stellt Denkmäler, den Palast der Republik, Kirchen u. Ä. vor. „Transportieren“ stellt Gebäude vor, die notwendig wurden, weil durch Technisierung und Industrialisierung die Notwendigkeit entstand, Güter und Menschen zu transportieren, also Bahnhöfe, Brücken, Schleusen, Flughäfen. Im letzten Teil „Schützen“ geht es um solche Gebäude, die dazu dienten, Bewohner, ganze Völker oder auch ausgesuchte Eliten zu schützen, nämlich Stadtbefestigungen, Regierungsbunker, Gefechtsstände, Kasernen oder die NSA Field Station Berlin Teufelsberg.


Am Schluss des jeweiligen Kapitels findet sich ein kurzer Abriss zu den einzelnen Lost Places. Da die vorgestellten Orte mehr oder weniger quer durch Europa verteilt sind (viele in der ehemaligen DDR, aber auch Sarajevo oder Italien) ist die Europakarte im Vorsatz, wo die Orte liegen, ein großer Gewinn (mein Wunsch an diese Art von Büchern wurde erhört!).


Die vorrangige Leistung der Fotografen besteht darin, den Moment des Stillstands und Verfalls zu dokumentieren, bevor die alten und manchmal auch noch gar nicht so alten Überbleibsel vollständig verschwinden oder einer neuen Nutzung zugeführt werden – vor allem vor dem Hintergrund, dass ein Großteil der Gebäude schon nicht mehr steht. Ein kleines Schmankerl sind die kurzen Statements der Fotografen, wie sie zu ihrer „Berufung“ Lost Places kamen – denn die erkennt man teils in den Fotos wieder.


Tja, wozu soll man sich also ein großes, schweres Buch kaufen, wo das Internet doch eine Unzahl an meist kostenfreien Fotos bietet? Nun, verlassene Orte haben meist eine ganz eigene Ästhetik – und die findet sich auch hier: die Fotos sind wirklich gut gemacht und bieten eine gute Auswahl (für deren Suche man sicher mehr Zeit brauchte). Allerdings ist Zeit nicht der Faktor bei dem Buch, denn mit den Texten ist man zwar schnell durch, doch manche Bilder ziehen einen einfach in ihren Bann und lassen einen so schnell nicht mehr los.

DuMont Reiseverlag

224 Seiten

29,99 €

978-3770188888

Manuela Obermeier

Tiefe Schuld

Die Handlung ist – ohne zu viel zu verraten – recht schnell erzählt: Zwei cachende Teenager finden beim Geocachen eine Leiche. Gleich darauf wird Toni Stieglitz vorgestellt: Sie ist Kommissarin in München, resolut, steht eigentlich mit beiden Beinen auf dem Boden, aber die Beziehung zu ihrem Ex-Freund Mike war wohl problematisch: Nachdem er sie geschlagen hatte, half ihr wohl nur noch der Durchgriff des Rechtsstaates, sich ihn „vom Leibe zu halten“ - also schon starker Tobak. Doch wie es so oft ist, die Eltern wollen es nicht wahrhaben und suchen die Fehler bei ihrem Kind (wem Toni da nicht sympathisch wird, dem ist nicht zu helfen). Daher ist sie zunächst froh, den Eltern zu entkommen, als sie zum Fundort einer Leiche gerufen wird: der Leiche, die die Teenies im Wald gefunden haben: halbnackt mit deutlichen Spuren von Misshandlungen. Klar, dass sie sich sofort an ihre Vergangenheit erinnert fühlt und ihr erster Verdächtiger der Ehemann der Toten ist. Aber ist Tonis Vergangenheit wirklich der einzige Grund für die Verdächtigung oder steckt mehr dahinter und kann der Rechtsmediziner Dr. Mulder mehr als Toni fachlichen Beistand zu leisten?
Das Buch ist der 2. Band einer Reihe und man kann es durchaus lesen, ohne den 1. zu kennen. Dann bleiben zwar ein paar Punkte vielleicht unklar, aber dem Fall bzw. seiner Lösung tut das keinen Abbruch, was auch daran liegen mag, dass sich das Buch recht flott liest. Die Protagonistin ist durchaus schräg: einerseits ist sie tough, ist manchmal recht flapsig, durchaus intelligent, doch sie hat auch neurotische Züge (und damit sind nicht mal die Selbstgespräche, die sich führt gemeint: das macht wohl jeder ab und an) und versucht, ihrer Dämonen Herr zu werden. Letztlich schwebte für mich immer die Frage im Raum: Wieso erträgt eine so resolute Polizistin, die alle Möglichkeiten, sich zu wehren, kennt, eine solche Beziehung wie zu ihrem Ex? Doch das ist ein anderes Thema … Es gibt die eine oder andere Wendung, doch die große Überraschung blieb aus – vielleicht liegt das auch daran, dass deutsche Krimis letztlich immer einer gewissen Regionalität verhaftet bleiben, die mich hier irritierte.
Wer, wie ich an dem Buch hängenbleibt, weil es um Geocaching zu gehen scheint, und es deshalb liest, sollte sich das überlegen: Bis auf den Umstand, dass Geocacher die Leiche finden, hat es mit dem Thema nichts zu tun. Wer es als normalen Krimi mit Geocaching-Einleitung lesen möchte, könnte es mögen.


Ullstein
400 Seiten (als TB)
9,99 (bzw. 9,99 €)
EAN 978-3548288635

Carine Bernard

Der Drachen-Klau: Ein Mallorca-Krimi (Molly Preston ermittelt)

Molly ist im Urlaub auf Mallorca und dieses Mal ist auch Charles dabei. Doch weil er arbeiten muss, geht sie auf einer kleinen Insel – der Dracheninsel Sa Dragonera – cachen. Als sie einen Stein lostritt und schaut, was passiert ist, findet sie den verletzten Gabriel. Seine nassforsche Art behagt ihr zunächst gar nicht, doch sie begleitet ihn nach Hause, wo der ausgewanderte Gabriel Öle produziert. Am nächsten Tag machen Molly und Charles, der einen Schmugglerkrimi schreiben will, zu Recherchezwecken einen Ausflug nach La Palma: Da kommt ihnen die Beobachtung von Dealern am Ballermann gerade recht – noch dazu, wo Molly Mattea wiedertrifft, der sie am Vortag schon bei Gabriel begegnet war – und offenbar verdient auch sie ihr Geld mit Dealerei. Um darüber etwas zu erfahren, sucht Molly Gabriel auf. Dort begegnet Molly Matteas Freund Cuio, der berichtet, dass Mattea sich wegen Geschäften mit unbekannten Männern treffen wollte und nun verschwunden sei. Keine Frage, dass Molly sich ohne viel Federlesens mit Cuio auf die Suche macht. Doch als sie Mattea nur noch tot finden, ein Rumäne Gabriel erschießen will und Charles verschwindet, hat Molly alle Hände voll zu tun, denn „Molly-typisch“ überschlagen sich die Ereignisse …
Einmal mehr legt Carine Bernard einen angenehm zu lesenden Cosy-Krimi mit viel Lokalkolorit vor, bei dem man mal eine ganz andere Seite von Mallorca kennenlernt: Für Fans der Reihe ein Muss!


Knaur
264 Seiten (als TB)
12,99 € (TB), 4,99 € (eBook)
EAN 978-3426216439

Hans Lammersen:

Geocaching mit Schülern: Wochenplan, Tagespläne und alle Arbeitsmaterialien für die Projektwoche (5. bis 10. Klasse) (5-Tage-Projekte leicht gemacht)

Die Zielgruppe dieses Buches ist klar umrissen: Lehrer, vor allem (Geografie-)Lehrer oder sonstiges „Lehr- oder Beaufsichtigungspersonal“, wie Leiter von Jugendgruppen der entsprechenden Altersgruppe, also Fünft- bis Zehntklässler.


Die Motivation für eine Projektwoche mit dem Thema Geocaching ist einfach: Das Spiel erfreut sich bei Jugendlichen einer gewissen Beliebtheit und ist somit super für eine Projektwoche geeignet. Zudem eignet es sich zum Erwerb von fachlichen (speziell geografischen), sozialen und methodischen Kompetenzen. Man findet Arbeitsblätter für die Theorievermittlung und eine CD mit (editierbaren) Word-Arbeitsblättern sowie eine Linkliste.


In der Einführung geht es darum, was Geocaching ist, aber auch darum, was das „Ziel eines Geocaching-Projekts mit Schülern“ ist. Es finden sich Vorüberlegungen zum Projekt (Bedingungen wie Konzeption der Tagespläne), Regeln beim Geocaching(u. a. woher Geräte nehmen, falls die Anschaffung nicht möglich ist). Die wichtigste Funktionen der Navigationsgeräte werden ebenso vorgestellt wie die Geocaching-Portale sowie die Arten von Caches, auch welche im schulischen Rahmen nicht machbar sind. Neben dem Wochenplan finden sich Tagespläne, die auch das Vorbereitungsprogramm für den folgenden Tag enthalten. Teilweise scheint es ein durchaus „strammes Programm“ zu sein, das man sich da vornimmt – je nach Alter, Klassengröße und vorhandenem Vorwissen.


Lammersen bietet eine sachliche, aber nicht trockene Inhaltsdarbietung. So weit man das als „abgebrochener Lehrer“ beurteilen kann, scheint an alles gedacht zu sein und man wird gut angeleitet. Möglicherweise schadet ein bisschen zusätzliches Hintergrundwissen nicht. Aber da Personen, die so ein Projekt angehen wollen, vermutlich ohnehin aus der Cacherszene sein dürften, dürfte das kein Problem darstellen.

AOL-Verlag

40 Seiten

18,45 €

978-3403103387